Alice Hoffmann war zu Gast in St. Ingbertg

23. Juli 2021 um 11:55 Uhr


Alice Hoffmann in St. Ingbert
:
Bevor es heikel würde, biegt sie noch ab


Die Kabarettistin Alice Hoffmann trat im Rahmen der Reihe „Ab in den Knast – der Kultursommer in der JVA“ in St. Ingbert auf.
Foto: Jörg Martin

St Ingbert Alice Hoffmann präsentierte in der ehemaligen JVA in St. Ingbert ihr aktualisiertes Programm „Die Zeichen der Zeit“.



„Ei isch war beim Hilde gewähn“, beantwortete am Donnerstagabend eine ältere Dame die Frage ihrer Bekannten, die ihr zufällig in der Alten Bahnhofsstraße begegnete. Sie kam gerade aus dem Innenhof der ehemaligen JVA, in dem das Gastspiel von Alice Hoffmann stattgefunden hatte. Der Hoffmann-Fan freute sich noch immer über die Eindrücke des Abends. Den Namen „Es Hilde“ wird die Schauspielerin und Kabarettistin jedoch wohl nie mehr los. Auch, wenn sie die Mutter-/Ehefrau-Rolle aus der Serie „Familie Heinz Becker“ schon vor 24 Jahren aufgeben musste.

Die Künstlerin zeigte im Ex-Knast-Hof ihr Programm „Die Zeichen der Zeit“, welches bereits aus 2015 stammt. Sie hat es wegen Corona zwei Jahre nicht mehr gespielt und nun auf die aktuelle Situation angepasst. Passend zur diesjährigen Halbzeit der Reihe „Ab in den Knast – der Kultursommer in der JVA“, von Kulturamt und Stadtmarketing, die noch bis Ende August geht und an diesem Abend ausverkauft war. Hauptthema des Programms, man ahnt es schon, ist das Alter. Da kann die fast 70-Jährige so einiges an Erfahrungen beisteuern, die vom Publikum, das größtenteils aus reiferen Jahrgängen bestand, zustimmend mit Nicken goutiert wurden.



Auch die Frau, die etliche Kittelschürzen übereinander trägt, muss sich im Alter geistig fithalten. Deshalb liest sie jeden Tag die Todesanzeigen der Zeitung. Oder sie widmet sich mit Inbrunst dem „Brettspiel für eine Person“. Kennen Sie nicht? Denken Sie mal an das Bügelbrett. Dafür bringt „Es Hilde“ den ganzen Abend die Begriffe und Fremdwörter durcheinander. Das treibt Blüten, bis einem die Tränen in die Augen schießen. So mag sie Urlaub auf Ischias oder Forzeventura. Und dann wird sie auch mal nachdenklich. „Wenn man keinen Mann mehr hat, kommt man zum denken“, hat sie festgestellt. Dennoch ginge es ihr nach der Scheidung gut. Ihr Rat: Die Vergangenheit nicht als Sofa, sondern als Sprungbrett benutzen. Das nimmt man der quirligen Frau direkt ab. Dafür hat sie ein Bummsverhältnis mit Freund Herbert. Erschrecken sie nicht. Es ist anders, als sie glauben. „Wenn ich den brauch – bumms ist er da und hilft!“, erklärt die mittlerweile in Mainz wohnende Frau. Dafür empfiehlt die Hoffmann die Ortsnamen bei den Fußballclubs wegzulassen und dafür einen Geldbezug herzustellen. Es sei ja auch niemand mehr beim 1. FCK aus Kaiserslautern, so ihr Eindruck. Sie kratzt sehr gerne an allem Vulgären, macht aber kurz davor wieder einen Bogen darum und freut sich diebisch, wenn der Zuschauer ihr „auf den Leim geht“. Die Leute lachen dennoch, erkennen sich oft wieder.



Dafür kommt sie nicht damit klar, dass die Tochter nun vom farbigen Oberarzt schwanger ist. „Wenn er Oberarzt ist, kann er ja kein Neger sein“, kratzt sie provakant am vermeintlichen Tabu herum. Einfach nur Rumsitzen und Ablachen ist nicht. „Aufstehen“, rief sie zum Publikum und das machte beim gemeinsamen Bewegungssport – Bizeps-Übungen mit dem Bügeleisen der Hoffmann – mit. Das hatte was von Cluburlaub, All inclusive und erinnerte an den Sport im Seniorenheim, passte aber. Und weiter geht’s mit Tabus: Denn die Hoffmann trat in der Burka auf und findet, dass der Islam zu Deutschland gehöre. Es gäbe so viele Parallelen zum Christentum, habe sie festgestellt. Und der Schleier schütze ja auch vor Corona, denkt sie. Da imitiert sie Günther Jauch, um mit der Persiflage auf dessen Quizsendung in Erinnerung zu rufen, dass die Frauenrechte in Deutschland noch gar nicht so alt sind. „Geld alleine macht nicht glücklich. Es muss einem auch gehören“, so ihr Fazit. Früher sei dafür alles leichter gewesen – vor allem sie, gibt sie zu, als sie dann mal gerade auf der Bühne genüsslich Kuchen mit Sahne verputzt. Plötzlich hatte sie es eilig. Sie müsse noch einkaufen, denn in ihrem Kühlschrank sei nur noch Licht. Obwohl, eigentlich müsse ja jetzt gleich eine Lieferung kommen. Wieso? Na, sie habe gehört, dass „nette Frauen aus deiner Umgebung es dir gerne besorgen“ und da hatte sie gleich mal den Einkaufszettel hingeschickt.