Darum vertraut sich Yasemin (31) einem Arzt in Spanien an

Letmathe / Hagen.
Yasemin Malik sieht nur eine Hoffnung auf eine Rückkehr zum normalen Leben. Unzählige Therapien sind in Deutschland gescheitert.

Das Foto vom Frühjahr 2016 stammt aus einem anderen Leben: Yasemin Malik und Christian de Vries lachen unbeschwert in die Kamera. Das junge Paar – sie ist heute 31, er 35 – hat sich erst vor wenigen Monaten kennengelernt. Yasemin, die an schwerer Skoliose, einer seitlichen Verkrümmung der Wirbelsäule, leidet, hat über Weihnachten einen Bandscheibenvorfall erlitten, der aber scheinbar vergessen wurde.

Ihr Leben wird sich erst nach einer Operation im April, die eigentlich Linderung verschaffen soll, für immer ändern. Denn die junge Frau erfährt später schmerzlich, dass ihr Körper genetisch bedingt überschüssiges Narbengewebe produziert. Nach dem Eingriff härtet es zu einer Platte aus, die auf den Ischiasnerv drückt. Neurologische und motorische Ausfälle sind die Folge sowie chronische Schmerzen, Yasemin kann sich kaum bewegen und ist weitgehend bettlägerig.

Yasemins komplizierter Fall hat viele Leser bewegt

Seit die Lokalzeitung vor einiger Zeit über den Spendenaufruf von Christians Kollegen im “Gemeindedienst” in Stübbeken zur Behandlung von Yasemin berichtete, erreichten unsere Redaktion diverse Anfragen: Leserinnen und Leser, die mehr über das Schicksal der junge Frau, Vertreterinnen von Verbänden und Stiftungen und ein in Letmathe bekannter Arzt: der Schmerzspezialist Dr. Wolfgang Welke, der mit seinem Team vom geschlossenen Marienhospital in die Sportklinik Hellersen nach Lüdenscheid zog.

Von besonderem Interesse ist die Frage, warum die junge Frau zur Behandlung eine äußerst stressige Auslandsreise unternimmt. Die Antwort ist lang und kompliziert, sieht aber im Grunde so aus: Yasemin gilt offiziell als unheilbar, und die einzige Therapie mit Aussicht auf Linderung ist in ihren Augen der Einsatz von hochfrequenter Ultraschallstrahlung, mit der das Narbengewebe nach und nach aufgebrochen werden kann Nieder.

In Deutschland können die meisten verfügbaren Geräte nicht tief genug in den Körper eindringen, erklärt der 31-Jährige: „Nur am Grönemeyer-Institut in Bochum gibt es eines, das mehr als sechs Zentimeter schafft. Der Arzt dort konnte das Gerät aufgrund der technischen Ausstattung nicht genau genug kalibrieren, so dass er mir auch nicht helfen konnte. “

Yasemin und Christian haben in einer mehrjährigen Odyssee in Deutschland alles versucht, berichten die beiden: von konventionellen Medikamenten über Injektionen in die Wirbelsäule, Elektrostimulationstherapie, Physiotherapie und Osteopathie bis hin zu Homöopathie und Akupunktur – alles ohne Erfolg. Nur die oben erwähnte Radiofrequenztherapie habe sich als wirksam erwiesen, betonen die Paare. Dies ist eine Behandlung, die von keiner Krankenkasse übernommen wird. Zudem sei in Deutschland kein Arzt gefunden worden, der Yasemin damit behandeln würde, sagt der 31-Jährige: “Da sind Nervenbahnen im Weg, die Gefahr, sich durch die Strahlen zu verbrennen, war zu hoch für sie.”

Durch eine persönliche Empfehlung habe ich schließlich Kontakt zu einem Arzt in Spanien aufgenommen, berichtet Yasemin. Er studierte in Deutschland Allgemeinmedizin und ging dann nach Ost- und später Südeuropa. Durch ständige Weiterbildung ist er in der Lage, die Ultraschalltherapie kompetent einzusetzen – und nimmt im Gegensatz zu Ärzten in Deutschland offensichtlich das Risiko von Yasemins kompliziertem Fall in Kauf.

„Anfangs war ich selbst skeptisch und habe mich gefragt, wie ernst das sein kann“, erklärt sie. Doch die ersten mit Spenden finanzierten Behandlungen seit Herbst 2018 würden das Gegenteil beweisen: „Ich habe seit Jahren MRT-Untersuchungen. Erst seit der Therapie in Spanien sieht man, dass das Narbengewebe zurückgeht.“ Und nicht nur das: Nach dem ersten Therapien konnte sie wieder taube Zehen spüren und hatte auf dem Rückflug ein Kissen statt der 90-Grad-Unterlage. und seine Telefonnummer darf sie nicht herausgeben, sagt Yasemin.

Sie träumt davon, später anderen Menschen zu helfen

Für die 31-Jährige ist klar: Weitere Therapien dieser Art sind ihre einzige Hoffnung. Yasemin Malik kommt aus Altena und ist in Iserlohn aufgewachsen, wo ihre Mutter lebt und ihr Vater ein Geschäft führt. Fotos aus der Vergangenheit zeigen sie sportlich am Seilersee. Heute lebt sie mit ihrem Freund in Hagen und träumt davon, die Kontrolle über ihren Körper zurückzugewinnen: „Wenn ich mich dank des ganzheitlichen Verfahrens noch besser bewegen kann, möchte ich mit Physiotherapie wieder Muskeln aufbauen.“

Während Yasemin mit der Therapie erste Fortschritte macht, bleibt ihr Alltag von Einschränkungen geprägt. Sie darf zum Beispiel nur 20 Minuten am Tag laufen, sonst muss sie sich fast immer hinlegen, weil das Sitzen schwer fällt – und schmerzhaft ist, weil der Nerv dann mehr eingeklemmt wird. „Wenn ich esse, muss ich sehen, was ich in fünf Minuten runter bekomme“, beschreibt sie als tägliches Problem. Zum Zeitvertreib schaut sie sich gerne Serien an, am liebsten solche wie “Gilmore Girls”, die ihr das Gefühl einer idealen Welt vermitteln. Außerdem sind tägliche Gebete in ihrem Tagesablauf wichtig: Die junge Frau hat die Hoffnung auf ein normales Leben nicht aufgegeben, träumt davon, ihr Abitur nachzuholen und Jura zu studieren: “Um anderen zu helfen, damit ich etwas zurückgeben kann.”

Weitere Informationen zur Spendenaktion finden Sie unter www.nrw-hilft.de.

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