Papst Franziskus schaut nachdenklich

Warum Franziskus‘ Terminabsagen wenig Beachtung finden

Für Aufsehen hätte die Absage eines der wichtigsten diplomatischen Auftritte des Papstes im Jahr sorgen können. Sie tat es nicht. Francis’ Hüftleiden scheint sich zu verschlimmern, aber das bremst ihn nicht.

Von Roland Juchem (KNA) | Vatikanstadt – 29.01.2021

Francis ist seit langem geplagt. In letzter Zeit beunruhigt ihn jedoch der Ischias des Papstes zunehmend. Zum zweiten Mal innerhalb von vier Wochen sagte er offizielle Termine ab: nach den Silvester- und Neujahrsgottesdiensten am Sonntag noch eine Messe im Petersdom, dann der Empfang für das diplomatische Korps und die Vesper zur Gebetswoche für die Einheit der Christen Montags. Offenbar waren die Schmerzen zu stark. Für längere Gigs sowieso zu stark.

Am Mittwoch war Francis wieder für die Videoansprache da, die derzeit die allgemeine Audienz ersetzt. Und hat nichts gezeigt. Wie beim Angelusgebet am Sonntag erwähnte der 84-Jährige seinen neuen Ischias nicht mit einer einzigen Silbe, eine äußerst schmerzhafte Reizung des großen Ischiasnervs, der vom unteren Rücken in das ganze Bein und in den Fuß ausstrahlt.

Schon zu Weihnachten wurde der Papst von seinen Schmerzen geplagt. Als er zur Weihnachtsmesse in den Petersdom einzog, hinkte er stärker als sonst, wirkte manchmal unkonzentriert, öfter als sonst rutschte ein spanisches Wort ins Italienische. Dennoch sorgten die päpstlichen Absagen nicht für einen großen Medienwirbel, auch nicht in der leicht erregbaren Social-Media-Welt.

Schon bei der Weihnachtsmesse hinkte Papst Franziskus mehr als sonst.

Mit Paul VI., besonders Johannes Paul II. Oder Benedikt XVI. Jede Absage eines Termins, jedes Anzeichen einer möglichen Schwäche führte zu Spekulationen, von denen sich die Blase um den Vatikan besonders gerne nährt. Nicht so bei Franziskus. Dafür gibt es zwei Gründe. Einerseits – neben dem Rücktritt von Benedikt XVI. – Die Verwaltung von Franziskus trug zum weiteren Abbau des ehemaligen Papst-Nimbus bei: Der Papst ist “auch nur eine Person” mehr als zuvor.

Werden die Reisen des Papstes jetzt kürzer?

Vor allem aber reduziert Ischias im Gegensatz zu der Parkinson-Krankheit von Johannes Paul II. weder die Lebenserwartung von Franziskus, noch schränkt es seine Regierungsfähigkeit ein – es sei denn, er kann mit Schmerzmitteln vollgepumpt werden. Ärzte verschreiben in der Regel Physiotherapie, Massage, ein entzündungshemmendes oder muskelentspannendes Mittel, um die schmerzhafte Reizung zu lindern.

Leiden kann jedoch den päpstlichen Wirkungskreis einschränken. Die Dauer der öffentlichen Auftritte sowie die Dauer seiner Reisen könnten kürzer sein. Es ist bekannt, dass Reizungen oder sogar Entzündungen des Ischiasnervs mit Schmerzen im Rücken und in den Beinen häufiger auftreten, wenn man längere Zeit in der gleichen Haltung verharrt. Besonders schlimm ist es oft, wenn man morgens aufsteht, nach langen Sitzungen oder beim Warten im Stehen. Treppen sind für Francis besonders lästig – mehr beim Hinuntergehen als beim Klettern. Deshalb war in diesen Momenten immer ein Stützarm an seiner Seite.

Wie geht es dem Papst? – “Privatsphäre”

Fragen zum Gesundheitszustand des Papstes beantwortet der Presseraum des Vatikans selten: “Privatsphäre” lautet die lakonische Antwort. Immerhin wurde Mitte Januar im Nachhinein bestätigt, dass sich Franziskus gegen das Coronavirus impfen ließ; so viel verlangte das päpstliche Vorbild.

Wie üblich zu hören ist, wird Francis wegen seines Rückenleidens zweimal pro Woche behandelt. Dazu kommt ein Physiotherapeut ins Santa Marta Guesthouse. Zwischendurch solle Franziskus, so wie er ist, gelegentlich ins vatikanische Gesundheitswesen übergehen – “das müssen auch andere machen”.

Dass Franziskus ein halbes Dutzend offizieller Termine innerhalb eines Jahres krankheitsbedingt abgesagt hat, relativiert sich dadurch, dass er ohnehin die Hälfte der Zeit “privat” arbeitet, ohne offiziellen Terminkalender. Wenn ihn also zusätzlich zur Pandemie der böse Ischias daran hindert, in Zukunft häufiger und für längere Zeit in der Öffentlichkeit aufzutreten, wird Franziskus seine Schreibtischarbeit an seinen Reformen intensivieren und auf andere Kanäle wechseln. Art und Anzahl der Edikte, Briefe, Interviews, Grüße und Vorworte im vergangenen Jahr zeigen: Franziskus ist noch lange nicht amtsmüde.