Der Papst hilft dabei, die psychische Gesundheit in den Fokus zu rücken

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Psychische Erkrankungen sind in der Gesellschaft noch immer ein Tabuthema. In einem Interview sprach Papst Franziskus über seine Angstneurosen und die Hilfe eines Psychiaters. Ein wichtiges Zeichen, kommentiert Christoph Brüwer.

Von Christoph Brüwer | Bonn – 03.03.2021

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Humorvoll, entspannt und offen spricht Papst Franziskus in Auszügen aus einem Interview mit dem argentinischen Arzt, Journalisten und Autor Nestor Castro über seine eigene psychische Verfassung und Krisen. Er gibt freimütig zu, dass er selbst an Angstneurosen gelitten hat und dadurch die Hilfe eines Psychiaters hatte. Inzwischen habe er seine Ängste aber gut gezähmt, sagt Francis.

Dass der Papst so freizügig über gesundheitlich angeschlagene Lebensphasen berichtet und zugibt, Hilfe gesucht zu haben, macht ihn sympathisch und ist ein wichtiges Zeichen. Denn es zeigt: Auch der Papst ist nur ein Mensch.

Tatsächlich war über die Krankenakte des Papstes schon einiges bekannt, etwa die Amputation von Lungenteilen in seiner Jugend oder neuerdings die Ischiasbeschwerden, die ihn Anfang des Jahres mehrmals zur Absage des Gottesdienstes zwangen und weswegen er wurde auf Diät gesetzt. Und auch die Covid-19-Impfung des Papstes wurde öffentlich verteilt – wohl auch um Corona-Leugnern und Unterstützern von Verschwörungsmythen entgegenzuwirken.

Mit den jetzt veröffentlichten Auszügen trägt das Kirchenoberhaupt dazu bei, das vermeintlich tabuisierte Thema psychische Gesundheit öffentlich in den Fokus zu rücken. Denn nicht nur in der Kirche wird kaum von psychischen Erkrankungen gesprochen – auch in der Gesellschaft werden psychische Erkrankungen oft noch mit einem Stigma in Verbindung gebracht.

Experten warnen seit Wochen davor, dass die Corona-Pandemie und ihre Maßnahmen schwerwiegende Folgen für die psychische Gesundheit der Menschen weltweit haben könnten. Depressionen, Angststörungen und andere psychische Erkrankungen hätten vor allem in strengen Lockdown-Phasen zugenommen. Wenn nur ein Mensch, der durch die aktuelle Situation psychisch aus der Bahn geworfen wird oder sich mit depressiven Gedanken auseinandersetzt, die Äußerungen des Papstes zum Anlass nimmt, sich professionelle Hilfe zu holen, ist viel gewonnen.

Der Autor

Christoph Brüwer ist Redakteur bei kathisch.de.

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