Erkennung und Behandlung des Piriformis-Syndroms |  NDR.de - Anleitung

Stand: 21. März 2021 21:39 Uhr

Rückenschmerzen, die ins Bein ausstrahlen, können verschiedene Ursachen haben. Nicht immer ist die Bandscheibe schuld – der Piriformis-Muskel drückt oft auf den Ischiasnerv.

Etwa jeder Dritte in Deutschland leidet gelegentlich unter Rückenschmerzen, ein Fünftel der Menschen leidet unter chronischen Beschwerden. Treten auch Beinbeschwerden auf, kommt der Schmerz oft vom Ischiasnerv. Typische Ischiasschmerzen treten plötzlich auf und strahlen durch das Gesäß und die Oberschenkelrückseite teilweise bis zur Fußsohle aus.

Ischias: Längster Nerv des Körpers

Der Ischiasnerv (Ischiasnerv) ist der längste Nerv im menschlichen Körper. Es wird aus mehreren Wurzeln im untersten Teil der Wirbelsäule gebildet und verläuft durch die Beckenmuskulatur bis zur Oberschenkelrückseite und weiter bis zur Kniekehle. Dort teilt sie sich in zwei Äste und reicht an der Außen- und Rückseite der Wade bis zum Fuß.

Bandscheibenvorfall oder Piriformis-Syndrom?

Wenn es von den Gesäßmuskeln nach unten in die Beine zieht, können die Schmerzen auf einen Bandscheibenvorfall hinweisen. Doch Studien zeigen: Bandscheibenvorfälle sind auf MRT-Bildern zwar oft deutlich zu erkennen, aber oft nicht die Ursache der Symptome.

Eine weitere Ursache sollte vor der Operation bedacht werden: Der Piriformis-Muskel kann schuld sein. Es ist unter dem Gesäßmuskel versteckt und verbindet das Kreuzbein und die Oberschenkel. Normalerweise ist der birnenförmige Muskel weich und dehnbar. Durch Sturz, Fehlhaltung oder Überbelastung kann er sich aber verkrampfen und verkürzen. Der Muskel wird dick und hart und drückt direkt auf den Ischiasnerv (Piriformis-Syndrom). Dies kann ausstrahlende Schmerzen im Gesäß und in den Beinen sowie Kribbeln und abnorme Empfindungen auslösen.

Experten schätzen, dass viele Bandscheibenoperationen vermieden werden könnten, wenn das Piriformis-Syndrom vorher richtig diagnostiziert und behandelt würde.

Lasègue-Test gibt Auskunft

Mit dem sogenannten Lasègue-Test lässt sich herausfinden, ob der Ischiasnerv gereizt ist und somit die Ursache der Beinschmerzen sein könnte. Bei diesem Test wird das am Knie gestreckte Bein langsam zur Decke bewegt, wenn der Patient auf dem Rücken liegt. Bei starken Schmerzen im Bein bis zu einem bestimmten Winkel kann es zu einer Ischiasreizung kommen. Anhand bestimmter Druckpunkte kann der Arzt feststellen, ob der Piriformis-Muskel die Beschwerden verursacht.

Piriformis-Syndrom: Bewegung, Massage, Dehnung

Wird der M. piriformis als Schmerzursache identifiziert, sind Bewegung, Entspannung und Dehnung die Therapie der Wahl. Um die Verspannungen zu lösen, muss der Physiotherapeut auch alle benachbarten Muskeln kontrollieren und ggf. lockern, da diese oft betroffen sind. Die oft chronisch verspannte Muskulatur kann mit Stoßwellentherapie und manueller Therapie gelockert werden. Der eingeklemmte Ischiasnerv wird weitestgehend entlastet und die Beschwerden bessern sich.

Die Auflösung des Piriformis-Syndroms kann mehrere Wochen bis Monate dauern. Halten die Schmerzen drei bis sechs Monate an, spricht man von einer Chronifizierung. Neben Schmerzmitteln, Physiotherapie und manueller Therapie können Betroffene den Piriformis-Muskel zu Hause mit einfachen Dehnübungen entspannt und elastisch halten – und so möglichst ohne diese Schmerzen leben.

Botox-Injektion bringt Linderung

Verursacht der M. piriformis auch nach mehrwöchiger Therapie und konsequentem Eigentraining Beschwerden, können Botox-Injektionen als relativ neue Methode in diesem Bereich eingesetzt werden. Der Wirkstoff Botulinumtoxin lähmt den Muskel. Dadurch wird die Spannung reduziert, der M. piriformis drückt nicht mehr auf den Ischiasnerv. Eine Botox-Injektion wird oft unter MRT-Kontrolle verabreicht. Die Wirkung hält etwa drei Monate an – schrumpft der Muskel, kann dies auch in diesem Muskel zu einer dauerhaften Entspannung führen.

zusätzliche Information

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