Der päpstliche Leibarzt Roberto Bernabei.

Roberto Bernabei ist in ganz Italien als Experte durch TV-Auftritte bekannt

Vor wenigen Wochen starb der Leibarzt des Papstes an den Folgen einer Corona-Infektion. Die Nachfolge steht nun fest: Mit Roberto Bernabei übernimmt ein italienischer Stararzt die prestigeträchtige Aufgabe. Ein Portrait.

Von Alexander Pitz (KNA) | Vatikanstadt – 26.02.2021

Roberto Bernabei ist der Arzt, dem Italiens Senioren vertrauen. Seit Mittwoch kümmert sich der prominente Geriater offiziell um einen ganz besonderen Patienten: den 84-jährigen Papst Franziskus. Das Oberhaupt der katholischen Kirche ernannte den durch zahlreiche TV-Auftritte bundesweit bekannten Arzt zu seinem neuen Leibarzt. Der Ersatz war notwendig, weil Vorgänger Fabrizio Soccorsi (78) Anfang des Jahres an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben ist.

Die Ernennung zum Papst soll Bernabis Popularität zusätzlichen Schub verleihen. Während Leberspezialist Soccorsi seinen Job früher diskret im Hintergrund verrichtete, hat der 69-Jährige einen anderen Ruf: Als Fernseharzt und Sprössling des TV-Produzenten Ettore Bernabei ist der Florentiner ein etabliertes Mitglied der italienischen High Society.

An der Seite seiner Frau Sydne Rome bewegt er sich stilvoll über die roten Teppiche des Bel Paese. Auch die US-amerikanische Schauspielerin (“Beautiful Gigolo, Poor Gigolo”) ist kein Unbekannter: Mit ihren Videos begründete sie in den 80er Jahren an der Seite von Jane Fonda die internationale Aerobic-Welle und wurde zur Fitness-Ikone. Ihre Platte “Aerobic Fitness Dancing” war 1983 wochenlang auf Platz 1 der deutschen Album-Charts. Als sie und Bernabei 1987 heirateten, jubelte die Klatschpresse.

Experte für Alter und Mitglied der italienischen Corona-Expertenkommission

Der vom Vatikan veröffentlichte Karriereweg für den Leibarzt des neuen Papstes ist natürlich etwas nüchterner: Nach dem Studium in Rom konzentrierte sich Bernabei zunächst auf Innere Medizin und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Heute ist er Professor an der Katholischen Universität des Heiligen Herzens und Direktor eines renommierten Studiengangs für Altersmedizin. Darüber hinaus arbeitet er in leitender Position für das Akademische Lehrkrankenhaus Agostino Gemelli nördlich des Vatikans. Von 2006 bis 2009 war der gläubige Katholik Vorsitzender der Italienischen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie.

Papst Franziskus hat mit Ischias zu kämpfen und musste deshalb in letzter Zeit immer wieder Termine absagen.

Anders als viele hochkarätige Ärzte ist der Experte nicht auf Schönheitschirurgie und Anti-Aging für solvente Kunden spezialisiert. Sein Hauptaugenmerk gilt den Leiden und Problemen der gesamten Generation über 80. In einem Land, in dem neben Japan durchschnittlich die ältesten Menschen der Welt leben, erfreut sich dieser medizinische Zweig immer größerer Beliebtheit. Die Berufung von Bernabeis in die Corona-Expertenkommission der italienischen Regierung vor einem Jahr wurde von Beobachtern für logisch gehalten.

Auch in dieser Rolle habe sich der Arzt immer wieder öffentlich zu Wort gemeldet und zur Besonnenheit aufgerufen: Es gebe keinen Zweifel, dass Covid-19 eine ernste Angelegenheit sei, sagte er bei einem seiner TV-Auftritte. “Aber es ist – wie soll man es sagen – eine normale Infektionskrankheit.” Leider sind die Schwächsten besonders gefährdet, darunter ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen.

Wiederholte Terminabsagen durch den Papst wegen Rückenproblemen

Auch der Papst gehört zur Risikogruppe. Aber Francis hat erst vor kurzem die zweite Dosis des Impfstoffs erhalten. In Sachen Corona muss sich Bernabei keine Sorgen um seinen neuen Patienten machen. In der Krankenakte des Argentiniers gibt es jedoch eine Reihe von Dingen, die eine sorgfältige Überwachung durch den Geriater erfordern. Vor allem die anhaltenden Ischiasbeschwerden machen dem Nachfolger von Peter immer wieder zu schaffen. In der Folge musste er immer wieder wichtige Termine absagen. Er hinkt ein wenig, trägt orthopädische Schuhe und macht keine liturgischen Kniebeugen.

Erst kürzlich hatte der Papst bei einem Treffen mit Journalisten verraten, dass er spüren könne, wenn sich ein neuer Schmerzanfall entwickle. Der verstorbene Soccorsi soll ihm immer geraten haben, Termine zu verschieben, bei denen man lange stehen muss. Der Arzt fügte jedoch hinzu: “Aber mach das Angelus-Gebet – oder sie werden sagen, dass du tot bist.” Künftig wird es die Aufgabe von Promi-Doc Bernabei sein, Francis für seine öffentlichen Auftritte fit zu machen.

Von Alexander Pitz (KNA)