Innsbrucker Kammerfunktionär Ischia tritt nach rassistischem Posting zurück

Karl Ischia, Bezirksamtsvorsitzender der Wirtschaftskammer Innsbruck, legt mit sofortiger Wirkung alle seine Funktionen nieder. Ischia geriet ins Kreuzfeuer der Kritik, nachdem er gestern auf Facebook einen Beitrag zu den verschärften Ausgangssperren gepostet hatte.

Letztes Update am Donnerstag, 24. September 2020, 4:54 Uhr

Karl Ischia legt seine Funktionen in der Handelskammer nieder.

© Thomas Böhm

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – „Anstatt die somalischen, türkischen, Yugo- und Hipster-Clubs, in denen die Infektionen nach Mitternacht stattfanden, schnell zu sperren, werden jetzt um 22 Uhr Hotels, Restaurants und Bars mit jeder erdenklichen Sicherheitsmaßnahme verschlossen, wo alle Mitarbeiter wöchentlich getestet werden. Das ist einfach ungerecht und undifferenziert. Das versteht keiner mehr. „Das sind die Worte von Karl Ischia. Gepostet am Dienstag auf der Social-Media-Plattform Facebook. Ischia war noch Bezirksvorsitzender der Handelskammer der Landeshauptstadt. Weniger als 24 Stunden später hörte Ischia auf zu funktionieren. Und nicht nur das. Mit sofortiger Wirkung legte Ischia auch seine Kammerfunktion als Beiratsmitglied der Hotellerie sowie als Aufsichtsratsvorsitzender der Innsbruck Marketing GmbH, also des Stadtmarketings, nieder. Die Kammer hat das Recht, für diese Funktion zu posten.

Das Posting hatte über Nacht einen Sturm der Empörung ausgelöst. SP-Stadtparteichef Benjamin Plach bezeichnete es als „rassistisch und letztklassig“. “Rassismus ist keine Visitenkarte für ein so vom Tourismus abhängiges Bundesland”, sagte Grünen-Nationalrätin Barbara Neßler. Die Innsbrucker Grünen, die zumindest den Bürgermeister stellen, forderten Ischias Rücktritt.

Dem ging gestern Morgen eine bloße Entschuldigung für Ischias voraus. Über Facebook. Er löschte den Beitrag, weil er “offenbar missverstanden, falsch interpretiert und verwendet wurde”. Dann gab es einen Krisengipfel im Plenarsaal – mit Bundespräsident Christoph Walser. Die Kammer schickte daraufhin eine Mitteilung über den Rücktritt von Ischias.

Auch wenn viele wegen der Krise „die Nerven an den Nerven reißen“ würden, eine solche Äußerung nicht vorkommen dürfe, sah Walser den Rücktritt von Ischia als „alternativlos“ an: „Wir müssen ein Signal setzen, dass dies nicht dem widerspiegelt“ Stellungnahme der Handelskammer.”

Ischia selbst, der gestern für die TT nicht zur Verfügung stand, ist ebenfalls Mitglied im Wirtschaftsverband. Ein “einfaches”, wie WB-Chef Franz Hörl feststellt. Ischias Sager war wohl aufgrund der Emotion und gedankenlos. Hörl sieht in der WB keinen Handlungsbedarf: “Ich sehe keinen Grund, warum Ischia nicht mehr Mitglied sein sollte.”

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