So beantragen Sie Kuraufenthalte und Behandlungen

Von Dr. Achim G. Schneider, aktualisiert 12.07.2021

Deutschland hat mehr als 350 Kurorte. Sie liegen in wunderschönen Gegenden, verfügen über natürliche Heilmittel und bieten darauf basierende Therapien an. Luftkurorte zum Beispiel punkten mit einem anregenden oder sanften Klima. Angeln im Allgäu gehört dazu.

Feig, schwach, nachsichtig, alt, egoistisch: So beschreibt der Schriftsteller Hermann Hesse in seinem gleichnamigen Werk den typischen „Kurgast“. Darin verarbeitet er persönliche Erfahrungen aus zwei Kursen, die er im Frühjahr und Herbst 1923 in Baden, Schweiz, absolvierte.

Immer wieder, immer besser

Der Glanz von Hesse zeichnet ein wenig schmeichelhaftes Bild von dem, was damals in der Therme passierte. Das schreckte den deutsch-schweizerischen Autor jedoch nicht ab. Bis ins hohe Alter zog es ihn einmal im Jahr in den Kurort bei Zürich. Dort fand er Linderung für seine Ischias- und Gichtbeschwerden, die ihn plagten.

Deutschland hat mehr als 350 Kurorte. Sie liegen in wunderschönen Gegenden, verfügen über natürliche Heilmittel und bieten darauf basierende Therapien an. Luftkurorte zum Beispiel punkten mit einem anregenden oder sanften Klima. Angeln im Allgäu gehört dazu.

Auch heute noch sind Kuraufenthalte beliebt – und effektiv. „Viele Patienten sagen, dass ich mich nach einer Kur sechs Monate lang richtig wohl fühle und immer wieder zurückkomme“, berichtet Professor Karl Ludwig Resch, Direktor des Deutschen Instituts für Gesundheitsforschung FBK. Die Einrichtung in Bad Elster ist auf Kurmedizin und Kurwissenschaft spezialisiert.

Herrliche Heilmethoden

Eine Kur ist eine ganzheitliche Therapie. Wiederholte Reize – zum Beispiel mit Wasser, Moor und Luft, mit Kälte und Wärme – sollen im Körper bestimmte Reaktionen auslösen. Ein Beispiel: Kohlensäurebäder für Menschen mit Bluthochdruck. Der Reiz erweitert die Blutgefäße und verbessert so die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des gesamten Organismus.

Resch: „Dadurch lernt das Gefäßsystem, so zu agieren, wie es schon lange nicht mehr getan hat. Der Blutdruck sinkt, wenn man die Anwendung zehnmal durchführt und mit anderen Methoden kombiniert.“ Die Bäder haben nur eine geringe Wirkung, können also die Therapie mit blutdrucksenkenden Medikamenten nur ergänzen.

Generell sollen Kuren dafür sorgen, dass sich der Körper anpasst und Fehlregulationen korrigiert. Zum klassischen Spa-Konzept gehört auch ein Ortswechsel – Aufenthalt in einem Raum mit besonderen Naturheilmitteln: Thermal-, Mineral-, Meerwasser, Moor oder gesundes Klima.

Ein sozialer Vorteil?

Viele Kurorte in Europa hatten ihre Blütezeit im 19. Jahrhundert. Menschen, die sich die Reise und die Behandlung leisten konnten, linderten dort ihre Symptome. Die Sozialhilfe der Bundesrepublik Deutschland zahlte später in großem Umfang Kuren – bis der Gesetzgeber die Regeln änderte und das Geld abstellte.

Auch heute noch übernehmen die Krankenkassen in bestimmten Fällen die Kosten. „Der Weg dorthin ist ziemlich beschwerlich und zeitaufwendig. Aber wenn man es wirklich ernst meint, hat man trotzdem gute Chancen, sein Ziel zu erreichen“, sagt Resch. Vorausgesetzt, Sie haben einen Anspruch und wissen, wie Sie ihn durchsetzen können.

Kneipp-Kurorte bieten Wasseranwendungen nach Sebastian Kneipp an. Die Therapie wurde hier in Bad Wörishofen entwickelt

Lesen Sie hier, was Sie über Kuren und Erstattung wissen müssen und was Sie bei der Antragstellung beachten müssen.

Praktische Tipps

Unter bestimmten Voraussetzungen zahlen die Krankenkassen eine Kur:

1. Die Kur dient der Vorbeugung

Das Wort „Heilung“ ist im Sozialgesetzbuch längst verboten. Offiziell ist es ein “ambulante Versorgung in einem anerkannten Kurort“. Es hat das Ziel, “eine Schwächung der Gesundheit zu vermeiden” sowie “Krankheiten zu verhindern und deren Verschlimmerung zu vermeiden”. Das sind die Formulierungen im Gesetz Krankheiten vorbeugen.

Du bist anders als medizinische Rehabilitationdie hauptsächlich bei bestehender Erkrankung, nach einer Verletzung oder nach einer größeren Operation durchgeführt werden. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden Reha jedoch häufig unter dem Sammelbegriff „Heilung“ zusammengefasst.

2. Der Arzt gibt den Vorschlag

Beginnen Sie zunächst mit dem Familiendoktor Besprechen Sie, ob er eine Heilung für richtig hält. „Für den Patienten ist es schwierig zu wissen, was für ihn geeignet ist und was ihm zusteht“, sagt Resch.

Wenn der Arzt eine Behandlung in einem Kurort genehmigt, bespricht er dies mit dem Patiententherapeutischer Fokus und einen Antrag stellen. Das Formular trägt den umständlichen Namen „Vorschlag zur ambulanten Vorsorge in anerkannten Kurorten“. Der Arzt kann auch einen bestimmten Kurort vorschlagen oder Anforderungen dafür formulieren.

3. Die Kasse übernimmt die Kosten

Wenn die Krankenkasse dem Antrag zustimmt, stellt sie einen Attest des Kurarztes das Ende. Damit können die Versicherten Leistungen des Kurortes in Anspruch nehmen. Das Attest übersendet er dem Kurarzt vor seiner Ankunft. Das klappt dann ein Behandlungsplan. Medizinische Kosten werden vollständig von der Krankenkasse übernommen, ebenso die Kosten für Kurbehandlungen 90 Prozent. Dazu gehören die Anwendungen, zum Beispiel bei Heilwässern oder Erden.

Die Kosten für Anreise, Unterkunft, Verpflegung und Kurtaxe trägt der Gast selbst Pauschalzuschuss von maximal 16 Euro pro Tag. Der Höchstbetrag von 25 Euro gilt für chronisch kranke Kinder bis zum fünften Lebensjahr.

Heilbäder sind Kurorte mit Mineral- oder Moorbädern.  Zum Beispiel Bad Pyrmont in Niedersachsen

Heilbäder sind Kurorte mit Mineral- oder Moorbädern. Zum Beispiel Bad Pyrmont in Niedersachsen

Der Leistungsanspruch besteht auch in Kurorten ein anderes EU-Land. „Allerdings gibt es dort weniger strenge Qualitätsvorgaben und Kontrollen als in Deutschland“, sagt Resch. Im Ausland muss der Versicherte zunächst alle Rechnungen selbst bezahlen und dann zur Kasse einreichen. Informieren Sie sich unbedingt vorab über die Details.

Eine Heilung dauert in der Regel drei Wochen und muss spätestens vier Monate nach Genehmigung beginnen, andernfalls erlischt der Anspruch. Die Mitarbeiter sind während der Kur nicht krankgeschrieben, müssen also ihren Urlaub in Anspruch nehmen. Generell gilt Embargo drei Jahre zwischen zwei ambulanten Kuren.

4. Stationär ist eine Alternative

Für einige Versicherte ist eine ambulante Kur nicht möglich oder nicht erfolgversprechend, zum Beispiel bei Mobilitätseinschränkungen. Dann besteht die Möglichkeit, stationäre Rentenleistungen zu beantragen. Mit diesem Formular werden Reise, Unterkunft und Verpflegung bezahlt. Nur die Zuzahlung von zehn Euro am Tag muss – wie bei Krankenhausaufenthalten üblich – vom Versicherten selbst getragen werden.

Kurort und Einrichtung sind den Versicherten zugeordnet von der Kasse zugewiesen. Die bezahlten Kursleistungen sind die gleichen wie bei der ambulanten Form. Für die stationäre Kur muss der Arbeitnehmer keine Ferien nehmen. Nach dem Abschluss besteht eine vierjährige Sperrfrist, bevor sie sich erneut bewerben können.

5. Wenn die Kasse ablehnt

Dann sollte der Versicherte unbedingt Widerspruch Einfügung. Dafür hat er einen Monat Zeit. „Damit sollen Akteneinsicht genommen werden, um zu verstehen, warum die Krankenkasse den Antrag abgelehnt hat, und darauf zu reagieren“, sagt Ingo Dörr, Geschäftsführer des Arbeitskreises Gesundheit.

Der Einwand sollte begründet sein und auch der Arzt sollte dazu Stellung nehmen. Lehnt auch die Krankenkasse den Widerspruch ab, bleibt das bestehen Klage beim Sozialgericht. Oder Sie warten und bewerben sich nach einer Weile erneut.

6. Fragen lohnt sich

„Ob eine Rente bewilligt wird oder nicht, ist von Kasse zu Kasse sehr unterschiedlich“, sagt Dörr. Manche Krankenkassen handhaben das streng, andere freier. Manche schnüren sich selbst Komplettpakete für ihre Versicherten. Es lohnt sich also zu fragen, inwieweit Kuren und andere Präventionsmaßnahmen finanziell unterstützt werden.

Manche Krankenkassen haben sogar Verträge mit Wellnesseinrichtungen in anderen EU-Ländern und einigen ihrer Versicherten unter bestimmten Voraussetzungen eine Kur dort zu ermöglichen. Den Großteil der Kosten müssen Sie jedoch in der Regel selbst bei Kassenangeboten selbst tragen.

Die Kosten selbst tragen

Natürlich besteht auch die Möglichkeit, alles aus eigener Tasche zu bezahlen. „Typischerweise fallen Arztkosten von 250 bis 300 Euro pro Woche an. Das entspricht in etwa einem Skipass“, sagt Resch. Wenn Sie gesundheitliche Bedenken haben, können Sie eine Kur machen und zahlen nicht mehr als für einen weiteren Urlaub. Zumal Sie als Unterkunft eine Pension oder Ferienwohnung wählen können.

Wer bereits von einer Kur profitiert hat, muss nicht unbedingt drei Jahre warten, um eventuell einen Teil der Kosten wieder bezahlt zu bekommen. Und Menschen ohne Heilungserfahrung können ausprobieren, was für sie am besten funktioniert.

„Es gibt einen Mechanismus, der perfekt funktioniert, und das ist die Mundpropaganda“, sagt Resch. Dies geschieht mittlerweile weitgehend in sozialen Foren im Internet.
Doch auch bei einer Kur kommen Menschen mit einem knappen Urlaubsbudget schnell an ihre finanziellen Grenzen.

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